nt statt. Bei der Reise dort hin wurden wir und all unser Gepäck auf zwei Trotros (Kleinbusse, die in Deutschland nie und nimmer durch den TÜV kommen wurden) verteilt. Bei einer scharfen Bremsung hätte uns unser eigenes Gepäck wohl den Hals gebrochen. Aber es war eine schöne Fahrt! Raus aus Accra, wurde die Luft wieder angenehmer und wir bekamen die Afrikanische Wildnis zu sehen. Wollte während der Fahrt mal schauen, wie schnell wir so unterwegs sind, aber der Tacho hat nicht funktioniert. N
aja, ist ja auch nicht das wichtigste Teil am Auto.
Wir hatten dort viele
Twi-Unterrichtsstunden (eine der Ashanti Sprachen hier in Ghana). Die Sprache klingt witzig, ich hoffe, dass ich sie noch mehr lernen werde. Aber es ist eben immer wieder schwer, eine neue Sprache zu lernen. Die Menschen hier sprechen gut Englisch, aber wenn man auf der Straße bzw. dem Markt versucht, mit den Leuten Twi zu sprechen, dann kommt das viel besser an. Man bekommt dann auch eher faire Preise.
Im Camp gab es auch gar nicht weit entfernt einen Brunnen, wo wir dann Wasser für die Toiletten und zum Duschen holen konnten. Wenn man das Wasser für den täglichen Gebrauch selbst heran bringen muss, dann fällt einem auch erst einmal auf, wie viel so eine Toilettenspülung
so verbraucht. Da wartet man dann auch schon mal ein paar Toilettengänge ab, bis man spült. Aber das war absolut ok so. Im Camp haben wir dann auch einen ghanaischen Namen bekommen. Mit einer fas
t tradit
ionellen Zeremonie dazu. Mussten uns nacheinander vorne auf einen kleinen Schemel setzen und ein alkoholisches Getränk trinken. Mein Name ist nun Abena Pokuaa. Abena steht für den Tag an dem ich geboren
bin (Dienstag). Der zweite Name ist frei gewählt von unserem Twi-Lehrer. Das Essen im Camp war auch sehr gut. Scharf aber
total lecker. Die anderen Freiwilligen sind auch alle super nett, man ha
t sich schnell
sehr wohl gefühlt. Während des Camps habe ich auch erfahren, dass ich mein Projekt ein weiteres Mal wechseln werde. Aufgrund von zu vielen Freiwi
lligen und anderen Problemen in dem Projekt in Kumasi, arbeite ich nun in Accra im OSU Childre
n’s Home. Ich wohne hier mit Erika (aus Österreich) und Anna
(aus Deutschland) in einem eigenen Häuschen mit guter Nachbarschaft. Jeder von uns hat ein eigenes Zimmer. Unseren kleinen Hof teilen wir mit einer älteren Frau (Hetti) und deren Söhnen und Neffen. Insgesamt wohnen da 8 Personen. Bin voll froh, dass wir so super liebe und nette Nachbarn haben! Die Jungs (alle über 20) wollen uns immer zeigen, wie man richtig Wäsche wäscht. Man wird es kaum glauben, aber man kann da echt eine Menge falsch machen. Beim ersten Wäsche waschen haben sie uns die ganze Zeit gefilmt und uns ausgelacht. Aber das war nur Spaß. Sie sind immer hilfsbereit und freundlich zu uns.
Man muss wenigstens einmal am Tag duschen hier, die Luft enthält einfach so viel Staub und man wird binnen kürzester Zeit super schmutzig. Auch die Sachen die man trägt werden sehr schnell dreckig. Man muss schon mindestens zweimal die Woche Wäsche waschen (mit der Hand und kaltem Wasser versteht sich natürlich). Meine Finger sind schon etwas wund, muss meine Waschfähigkeiten noch verbessern.
Die meiste Zeit haben wir fließendes Wasser und wenn nicht, haben wir 3 200liter Tonnen mit Wasser im Haus. W
ir leben hier so super. Die beiden Mädels sind ein echter Volltreffer, besser hätte es nicht kommen können. Der einzige Nachteil ist eben nur, dass wir alle drei deutsch sprechen und daher das Englisch etwas auf der Strecke bleibt.
Unser Essen bekommen wir von einer Frau aus der Nachbarschaft (Gladis). Sie kocht mittags und abends für un
s. Morgens gibt es meist warme Brötchen. Haben sogar Pulver (Milo) hier, um uns heiße Schokolade zu machen. Wir leben hier so gut – kann es gar nicht beschreiben!
Gleich um die Ecke gibt es auch noch ein Internetcafe. Der Strand ist nicht weit entfernt von hier. Ich habe jetzt angefangen, jeden Morgen um 6 oder 7 Uhr vor der Arbeit am Strand joggen zu gehen. Mal schauen, wie lange ich das durchhalten werde. So früh am Strand kann man viele interessante Dinge sehen. Schweine, die die endlosen Haufen Müll durchwühlen und Leute, die am Strand auf den Felsen hocken und dort ihr großes Geschäft verrichten. Konnte es beim ersten Mal gar nicht glauben, aber das scheint hier normal zu sein. Hier ist eben alles anders! Um diese Zeit steht die Sonne schon so hoch, wie in Deutschland um ca. 10 oder 11 Uhr. Das Leben fängt hier einfach immer so früh an. Es ist eigentlich auch fast unmöglich, länger zu schlafen, da von draußen immer irgendwelche Geräusche und Stimmen hereindringen. Die Wände hier sind mehr oder weniger nur ein Sichtschutz. Dafür wird es abends dann aber auch sehr schnell und früh dunkel (gegen 6 oder 7 Uhr pm).
Letzten Sonntag war ich zum ersten Mal in der Kirche – 4 Stunden Gottesdienst in Twi. Danach waren wir wie erschlagen. Würden am liebsten nicht wieder so schnell dorthin gehen, aber ich würde so gerne den Kirchenchor mal hören. Die Leute legen hier sehr großen Wert auf den Kirchenbesuch am Sonntag. Auf den Heckfenstern der Trotros und über vielen Läden stehen sehr oft Segenssprüche. Das ist teilweise etwas befremdend. Morgen ist wieder Sonntag, werde wohl doch wieder zur Kirche gehen. Waren letzten Samstag auch bei einer ghanaischen Hochzeit. Interessant, aber sehr langwierig und mit sehr viel Gebete.
Als wir am ersten Tag zur Arbeit kamen, haben wir 3 Stunden auf den Manager gewartet und dann wurde uns irgendwann mitgeteilt, dass wir irgendeinen Brief vom ICYE brauchen. Hatten dann also einen freien Tag mehr. Am zweiten Tag war es dann ähnlich wie am ersten, bis uns dann irgendwann jemand das Areal gezeigt hat. Wir haben dann also erst am Mittwoch richtig angefangen zu arbeiten. Zu erst habe ich mit Anna bei den Kindern von 3-6 Jahren gearbeitet. Aber da habe ich es nicht sehr lange ausgehalten. Die Kinder leben nicht wie in einer Gruppe, sondern sind immer auf den Einzelkampf bedacht. Viel Gehaue, Geschreie und Getöse. Bin dann schließlich rüber zu den Babys, wo Erika auch arbeitet. Da wurde mir dann auch gleich ein Napf mit Brei und Löffel gereicht und mir 6 Kinder vor die Füße gesetzt, die ich alle gleichzeitig füttern sollte. Meine Hose konnte ich danach auf jeden Fall erst einmal waschen. So in der Art ging das dann weiter und für mich stand fest – ich muss hier raus! Am Donnerstag bin ich dann schließlich rüber in Haus drei zu den Jungs von 6-10 Jahre. Und da werde ich nun auch voraussichtlich bleiben. Die Jungs sind so süß! Sind auch noch teilweise sehr liebebedürftig. Ich beschäftige mich dort mit den Jungs (spielen, reden, in die Bibliothek gehen etc.). Zurzeit haben sie noch Schulferien, mal schauen wie das ist, wenn sie dann vormittags in der Schule sind. Werde mal versuchen, mit ihnen zu zeichnen oder Fußball zu spielen. Ich denke, dass man mit ihnen noch so einiges machen kann.
Mittwoch waren wir bei einer Raggae-Night. Mir persönlich war es da etwas zu ruhig und langsam, aber alles in allem war es ein sehr schöner Abend. Habe sogar mit einem Ghanaer getanzt (die haben Moves drauf!). Möchte auf jeden Fall noch viel öfter tanzen gehen und auch tanzen lernen (so wie die Afrikaner).
Gestern waren wir auf einem der großen Märkte. Zum Glück hatten wir einen Freund mit (habe ihn auf der Straße kennen gelernt), der uns da heil und sicher durch gebracht hat. Ich habe dort meinen ersten Stoff gekauft. Werde ihn zu eine der zahlreichen Schneiderinnen bringen und mir eine Tasche und einen Rock schneidern lassen. Werde noch viel Stoff kaufen und mir etwas schneidern lassen ;) Der Markt war so riesig und verwinkelt und dreckig und eng und so viele Männer, die einen anstarren und anquatschen…teilweise unheimlich. Aber eigentlich sind die Händler sehr nett. Man wird immer in Gespräche verwickelt. Die häufigsten Fragen sind dann: Wie heißt du? Kann ich deine Nummer haben? Bist du verheiratet? Kannst du tanzen?. Es ist manchmal ein so seltsames Gefühl, wenn einen alle so intensiv anstarren und beobachten, nur weil mein weiß ist. Auf der Straße rufen die Kinder einem dann auch immer „Obroni“ (Weißer) hinterher. Wir rufen dann manchmal „Obibini“ (Schwarzer) zurück. Dann sind sie immer ganz erstaunt und lachen. Das ist hier der Weg, wie man Leute trifft. Man begegnet sich auf der Straße, redet mit nahezu jedem und ist einfach nur voll gut drauf. Da fällt mir ein, dass ich noch nicht sehr viel über die Trotros geschrieben habe. Das ist hier das Hauptverkehrsmittel. Es gibt hier keine Linienbusse in der Stadt oder so etwas wie s-Bahnen. Man fährt entweder teuer Taxi oder Trotro. Diese kleinen Busse sind so witzig. Sehr verrostet (die Türen werden während der Fahrt oft fest gehalten) und bis zu 20 Leute in einem Kleinbus. Beim Preis muss man entweder Bescheid wissen oder raten. Sie versuchen auch oft, einem mehr abzunehmen, als eigentlich üblich. Man muss hier oft und viel handeln, aber das macht eben das Leben hier aus und meistens macht es auch einfach nur Spaß.
Morgen wollen wir dann ins Stadium gehen und uns das Qualifikationsspiel Ghana gegen Sudan anschauen. Das wird ein Spaß! Wir haben hier immer so wahnsinnig viel zu tun. Es gibt hier so vieles zu entdecken und zu erleben. Im Moment bin ich einfach nur so unglaublich dankbar und glücklich hier sein zu dürfen. Sicherlich werden noch genügend Niederlagen kommen, doch momentan ist alles so perfekt hier. Also macht euch keine Sorgen um mich, mir geht es mehr als gut! Jeden Tag merke ich mehr und mehr, dass es das Richtige war, hier her zu kommen.