Montag, 23. November 2009

Zwischenbericht nach 3 Monaten
-für meine Organisation und das BMZ-

Die ersten 3 Monate meines Freiwilligen Sozialen Jahres hier in Accra, Ghana, neigen sich dem Ende zu. Wer hätte gedacht, dass ein viertel Jahr in einer völlig neuen und Anfangs ungewohnten Situation so schnell vorbei gehen könnte? Bevor ich mein Auslandsjahr hier auf dem fernen Kontinent angetreten habe, hatte ich mir oftmals ausgemalt, wie schrecklich mich die Sehnsucht nach zu Hause quälen würde, doch überraschenderweise kann ich nun sagen: Heimweh? Was ist das? Ich bin glücklich hier und angekommen. Angekommen in meinem zur Realität gewordenen Traum!

Nachdem mein Projekt dreimal gewechselt hat, bin ich nun im OSU Childrens Home in der Hauptstadt Accra gelandet. Das Kinderheim ist das größte Ghanas und beherbergt um die 200 bis 250 Kinder. Das Gelände ist in verschiedene Häuser aufgeteilt: Babyhaus, alle von 3 bis 6 Jahre, Mädchen von 6 bis 20 Jahre und Jungs von 6 bis 20 Jahre. In Letzterem arbeite ich. Doch bevor ich von meiner Arbeit speziell berichte, möchte ich eine kleine Zusammenfassung von Beginn an geben.
Ich wohne in einem kleinen, sehr schönen Haus zusammen mit vier anderen Freiwilligen nicht weit von dem Projekt entfernt. Die Nachbarschaft ist sehr schön und sicher, das Internetcafe nicht weit entfernt. Mit den Mädels verstehe ich mich sehr gut, glücklicherweise leben wir sehr harmonisch miteinander und ich kann hierbei von allem anderen als einer Zweckgemeinschaft sprechen. Diese Lebensumstände haben mir durchaus den Einstieg in mein „neues Leben“ erleichtert.

Als wir an unserem ersten Arbeitstag im Projekt gemeinsam zum Büro des Kinderheimes gegangen sind, wurden wir jedoch leider weniger herzlich willkommen geheißen als wir erwartet und uns erhofft hatten. Stundenlanges Warten vor dem Büro, um am Ende des Tages zu erfahren, dass wir zu aller erst einen Brief der Organisation brauchen, war unser Willkommensgeschenk. Man gab uns das Gefühl, nicht willkommen zu sein und auch nicht unbedingt gebraucht zu werde. Gewiss nicht das, was man erwartet, wenn man irgendwohin kommt um ohne Profit zu arbeiten. Nach einigen Tagen endlosen Wartens konnten wir dann doch schließlich anfangen zu arbeiten und uns auch glücklicherweise aussuchen, in welchem der verschiedenen Häuser wir arbeiten möchten. Dieser Aspekt war sehr positiv. Die verschiedenen „Tanten“, die in den Häusern arbeiten, heißen die neuen Freiwilligen nicht wirklich Willkommen, sind jedoch auch nicht vollkommen unfreundlich zu einem. Sie erwarten oftmals nichts von den Freiwilligen, haben die Vorstellung, dass alle Weißen (oder auch nur die Freiwilligen) unfähig sind zu arbeiten. Es braucht einige Zeit, bis man sich ihnen gegenüber behaupten kann und man muss immer wieder durch Eigeninitiative beweisen, dass man durchaus hier her gekommen ist, um zu helfen. Zu erst verstand ich die Einstellung der Tanten mir gegenüber nicht, konnte nicht begreifen, warum sie die Freiwilligen für so faul und unfähig halten. Doch nach einiger Zeit und vielen Beobachtungen, kann ich sie verstehen. Das OSU Childrens Home beherbergt durchschnittlich 10 bis 15 Freiwillige insgesamt. Die Meisten davon bleiben bloß für wenige Wochen oder höchstens 6 Monate. Anna (ebenfalls deutsche Freiwillige in dem Projekt, sie wohnt auch mit mir) und ich sind die Einzigen dort, die für ein ganzes Jahr dort arbeiten. Die Tanten haben demnach ständig wechselnde Gesichter um sich und kaum Zeit, um sich an sie zu gewöhnen oder die Freiwilligen einzuarbeiten. Daher ihre negative Einstellung gegenüber den Freiwilligen. Ich persönliche heiße die hohe Anzahl der Freiwilligen in dem Projekt auch nicht für gut. Erstens könnten andere Projekte viel dringender Freiwillige gebrauchen und zweitens ist der ständige Wechsel der Freiwilligen dort wohl auch nicht unbedingt ein Vorteil für die ohnehin schon bindungslosen Kinder.

Meine Arbeit im Jungshaus beinhaltet unter anderem, dass ich die Kleineren bade, mich um die Jungs mit körperlicher oder geistiger Einschränkung kümmere, Essen austeile, den Jungs beim Wäsche waschen und Hausaufgaben machen helfe und einfach nur für sie da bin oder mit ihnen spiele. Meistens arbeite ich nachmittags, da dort die meiste Arbeit zu tun ist (wenn die Jungs aus der Schule kommen). Zurzeit bin ich dabei, einen Ausflug an den Strand mit ihnen zu planen. Es ist jedoch nicht sehr einfach den Kindern in diesem Projekt eine Freude zu machen, da vieles von dem Freiwilligen vorausgesetzt wird (trotz vieler Spenden von Außerhalb steht kein Geld für Ausflüge etc. zur Verfügung). Ehrlich gesagt bin ich etwas davon enttäuscht, dass ich in einem Projekt arbeite, wo meine Arbeitskraft nicht vollends genutzt wird und die Kinder schon alles Erdenkliche haben. Andere Projekte haben keine Freiwilligen und könnten ganz sicher gut einen gebrauchen. Es gibt viele Dinge, die geändert werden müssten. Die Arbeit mit den Kindern ist jedoch trotz Allem schön und ich habe jeden Einzelnen der Jungs bereits jetzt sehr in mein Herz geschlossen.
Abgesehen von den Problemen, die es im Projekt gibt, hat sich Ghana für mich als ein sehr schönes Land herausgestellt. Wenn man hier als Freiwilliger her kommt hat man viele Möglichkeiten und kann sich mit seinem, von Deutschland aus gesehen geringen, Taschengeld vieles leisten. Bevor ich persönlich nach Ghana kam, hatte ich stets das Bild der völlig verarmten Afrikaner aus den Medien im Kopf. Vieles, was man im Fernsehen über das Land gesehen hat, war negativ belastet. Doch wie ich es nun selbst erlebe, geht es der Bevölkerung hier recht gut. Das Land ist sehr friedlich und sicher. Ich hätte auch nicht damit gerechnet, so viele Freiwillige, besonders Deutsche, hier anzutreffen.
Wie ich finde, wird in den Medien in Europa das Bild von Afrika oder eben speziell auch Ghana völlig überspitzt dargestellt. Die Menschen leben hier natürlich weniger luxuriös als in Europa, doch ist das Alles nicht eine Frage der Betrachtung? Wenn alle Einwohner eines Dorfes ohne Strom leben, dann ist das der „Normalzustand“ für alle, niemand wird benachteiligt oder bevorzugt. Man lernt sich mit der Zeit anzupassen und sich zu integrieren. Wie ich hier immer wieder feststelle, besteht Ghana nicht aus großen Ereignissen, sondern aus vielen Kleinigkeiten. Alleine schon die Fahrt mit dem Trotro (Minibusse als Transportmöglichkeit) ist so interessant und vielfältig. Hier muss man lernen, die kleinen Dinge des Lebens sehen und schätzen zu lernen.

Die Vorbereitungsseminare in Deutschland betrachte ich rückblickend als hilfreich. Uns wurde schon vorher erzählt und deutlich gemacht, dass in unserem zukünftigen Gastland andere Sitten und kulturelle Gegebenheiten herrschen. Auf diese Weise kamen wir nicht völlig ahnungslos hier her und konnten uns schon vorher auf das Land vorbereiten. Doch noch viel hilfreicher als die Seminare in Deutschland, fand ich das Arrival-Camp hier in Ghana. So konnte man alle anderen Freiwilligen, die genau wie man selbst entschieden hatten nach Ghana zu kommen, kennen zu lernen. Dieser Kontaktaufbau war für mich sehr wichtig. Ebenfalls fand ich den Sprachkurs sehr hilfreich. Ohne diesen wäre mein Wille, die einheimische Sprache (Twi) zu lernen, wohl kaum so groß gewesen. Da Ghana ein Englischsprachiges Land ist, muss man nicht unbedingt Twi lernen, doch hilft es einem erheblich weiter. Es ist nur schade, dass dieser Kurs nur eine Woche lang war und man nun aus eigener Kraft die sprachlichen Fähigkeiten verbessern und erweitern muss. Auch war es gut, dass man in dem Camp an das andere Essen und die Ghanaische Schärfe der Speisen heran geführt wurde.
Abschließend kann ich sagen, dass mich das erste Vierteljahr hier in Ghana sehr glücklich gemacht hat. Den Mut, den man anfänglich aufbringen muss um den Schritt zu wagen und zu sagen: Ich möchte ein Jahr lang ins Ausland gehen und alles Gewohnte hinter mir lassen, steht ohne Frage in Relation zu der Freude, die man hinter her empfindet, wenn man erst einmal hier angekommen ist.

Dienstag, 13. Oktober 2009

Die Zeit verfliegt und vor lauter Freude und Dankbarkeit über mein Leben hier in Ghana habe ich bisher nur wenig von mir Verlauten lassen. Entschuldigt bitte! Nicht, dass es nichts zu berichten gäbe – ganz im Gegenteil! Nur vergesse ich schnell mal, dass ihr euch zu Hause sicherlich auch einige Gedanken macht und gerne wissen würdet, wie es mir hier in Ghana ergeht.

Mir geht es noch immer sehr gut und ich konnte noch immer nichts entdecken, was mich daran hindern würde, Ghana zu lieben. Mein Leben hier in Accra, der Hauptstadt, ist so schön, wie es besser gar nicht sein könnte. Gott hat mich mit sehr viel Glück gesegnet!

In meiner Anfangszeit hier Accra habe ich Philip kennen gelernt, der während seiner Schulferien hier in Accra lebt, Armbänder knüpft und sie den Touristen auf der Straße verkauft. Das Geld spart er um seine Schulgebühren zu bezahlen. Er wohnt in Bonwire (nahe bei Kumasi) und ist eben nur in seinen Ferien hier in Accra. Er hat uns viel hier in Accra gezeigt und sich als wirklich guter Freund bewiesen. So kam es dann, dass ich vor zwei Wochen meinen ersten Wochenendtrip nach Bonwire unternommen habe um ihn dort zu besuchen.

Am Freitag bin ich früh aufgestanden und habe mich zusammen mit einem unserer lieben Nachbarn, der mich zur Busstation gebracht hat, aufgemacht. Da der erste Bus nach Kumasi gerade voll geworden war, musste ich fast 2 Stunden darauf warten, dass der zweite Bus voll wird und wir los fahren können. Die Sitze im Bus waren dann auch nicht ganz so komfortabel, wie sie bei einer knapp 5-stündigen Fahrt hätten sein können und die Klimaanlage zwang mich dazu, meinen Pulli anzuziehen. Nach ca. einer Stunde Fahrt qualmte der Bus dann heftig und wir mussten auf einer Art Autobahn im Nirgendwo, notgedrungener Weise Halt machen und den zunehmend verräucherten Bus verlassen. Von da an hieß es dann erst einmal eine gute Stunde auf einen Ersatzbus zu warten. In Deutschland wäre ich wahrscheinlich recht genervt davon gewesen, doch hier fanden sich schnell nette Leute, mit denen man sich unterhalten und die Langeweile vertreiben konnte. Auf der Weiterfahrt schlief ich dann irgendwann ein und erwachte von dem gegen die Scheiben peitschenden Regen auf einer Straße umgeben von grüner Buschlandschaft. Die Vegetation und das Klima in und um Kumasi herum sind ganz unterschiedlich zu dem in Accra. Angekommen in einem Vorörtchen von Kumasi musste ich auch nicht lange auf Philip warten. Gemeinsam fuhren wir dann nach Bonwire, seinem Heimatdorf. Dort bekam ich auch gleich eine kleine Besichtigungstour und erfuhr, dass in diesem Dorf der überall in Ghana bekannte Kente-Stoff gewebt wird. Fast jeder hat in dem Dorf einen Webstuhl zu Hause. Es war sehr interessant zu sehen, wie überwiegend die Männer, die farbenfrohen Stoffe webten und die unterschiedlichsten Designs kreierten. Jedes der Designs hat seinen eigenen Namen und jeder der ein neues Design entwirft, kann ihm einen neuen Namen geben. Abends durfte ich mich dann auch mal an dem Webstuhl von Philips Onkel versuchen und einen ganz kleinen Streifen Stoff weben.

Philips Familie war sehr gastfreundlich und nett zu mir. Als sie merkten, dass ich dabei bin Twi zu lernen, haben sie natürlich kein einziges Wort Englisch mehr mit mir gesprochen. Überhaupt habe ich in dem Dorf kaum jemanden Englisch sprechen gehört. Überall wo ich hin kam hat man Twi gesprochen, mich angeschaut und gelacht. Ab und zu konnte ich dann mal das Wort Obroni (Weißer) hören und wusste natürlich, dass es in den Gesprächen um mich ging. Und auch dort konnte ich wieder einmal feststellen, dass Ghana überwiegend von jungen Menschen zwischen 10 und 30 Jahren bevölkert zu sein scheint. Wieder einmal wollte jeder (vor allem die Kinder) dem Obroni „Hallo“ sagen und mit mir reden. So viele Leute wollen einen „weißen Freund“ haben. Manchmal fällt es schwer, die Beweggründe und die Denkweisen der Leute hier zu verstehen.

Es war sehr interessant und angenehm, mal aus der Großstadt heraus zukommen und für ein Wochenende das Dorfleben zu leben. Gekocht wurde über offenem Feuer und abends gab es, abgesehen von den Straßenlaternen auf der Straße, keine Elektrizität. Das traditionelle Ghanaische Essen, mit welchem ich bewirtet wurde, war überaus lecker und natürlich habe ich das ganze Wochenende nur mit den Fingern gegessen. Bei meiner kleinen Reise nach Bonwire habe ich auch eine kleine Spezialität kennen gelernt – gekochtes Ei mit einer Chilisauce dazu. So simpel und doch mein absoluter Liebling momentan. Sowieso kann man hier überall auf der Straße so viele Kleine Leckerbissen kaufen. Eigentlich soll man ja vorsichtig mit dem Essen sein, aber angesichts all der Köstlichkeiten werde ich immer wieder schwach und probiere nahezu alles was sich mir bietet. Das Ghanaische Essen ist so gut!!! Jedoch vermisse ich die Deutsche Küche sehr. Oft reden wir über das Essen und was wir alles essen werden, sobald wir wieder in unserem Heimatland ankommen werden. Besonders Schokolade (Ritter Sport…), Marmelade und Nutella vermisse ich. Ein kleines Glas Nutella kostet hier umgerechnet 4 Euro. Man kann hier Ghanaische Schokolade kaufen, die schmeckt ganz anders als unsere und man lernt sie erst mit der Zeit lieben, aber die ist auch sehr gut. Jedoch immer nur die Gleiche. Hier kann man eben Leckerbissen wie gefrorenen Joghurt in kleinen Plastiktüten verschweißt oder Muffins und Quarkbällchen ähnliche Dinge kaufen. Essen ist hier wirklich sehr günstig, so wie das meiste Andere eigentlich auch. Doch nun von meinem kleinen Essensexkurs zurück nach Bonwire. Am Samstag waren wir dann in der Früh ein wenig joggen gewesen. Die hügligen und von weiten Buschlandschaften umgebenen Straßen rauf und runter. Fantastische Natur überall! Am späten Vormittag haben wir uns dann auf nach Kumasi gemacht und Philip hat mir den Palast des Ashanti Königs gezeigt. Bei meinem nächsten Besuch in Kumasi muss ich mir unbedingt mehr von der Stadt angucken.

Wie so oft haben mich viele Leute dazu eingeladen, am Sonntag mit ihnen ihre Kirche zu besuchen. Doch ich kann da, glaube ich, kein zweites Mal mehr hin gehen. Die Ghanaische Kirche ist in erste Linie einfach nur VIEL zu laut. Man hat eher das Gefühl in einer Diskothek zu sein, als an einem Ort der Besinnung. Und bis zu 4 Stunden Gottesdienst ist einfach zu viel für mich, gerade wenn die Messe in Twi abgehalten wird. Die einzige Kirche, die ich vielleicht noch mal besuchen würde hier in Ghana, ist die Methodisten Kirche. Die hörte sich für mich am interessantesten an. Ich fühle mich oftmals schlecht, da ich Sonntags nicht in die Kirche gehe, so wie eigentlich fast jeder Ghanaer hier, aber der Kirchengang hier in Ghana ist für mich wirklich eine Qual. Eigentlich hätte ich gedacht, dass die Ghanaische Kirche viel abwechslungsreicher und interessanter wäre als in Deutschland, aber mir erscheint der Glaube hier oftmals zu fanatisch. Da bleibe ich lieber mit Gott allein in meinen Gedanken.

Das Wochenende bei Philip war auf jeden Fall eine schöne Erfahrung und hat meinen Twi-Lernprozess ein wenig beschleunigt. Zurück gefahren bin ich dann Montag Früh um halb drei mit einem der klapprigen Trotros. Nicht unbedingt die sicherste Variante, aber günstiger (noch günstiger als so schon). So saß ich nun bei einer diesmal sehr flotten Fahrt von nur 4 Stunden Länge eingequetscht zwischen anderen Mitleidenden, auf einem Sitz ohne Möglichkeit den vor Müdigkeit schweren Kopf irgendwo anzulehnen oder die Beine auszustrecken auf der hintersten Bank des Trotros. Ich war froh, als ich um halb Sieben in der Frühe wieder sicher in unserem Häuschen angekommen war.

Ein Wochenende war ich auch sehr krank gewesen und quälte mich mit Erbrechen, Kopfweh und Ähnlichem herum. Ich entschied mich dafür, dass ich nicht ins Krankenhaus gehen und mich auf Malaria testen lassen würde. Nach einigen Tagen war das dann auch wieder ausgestanden und ich wieder quick fidel. Seit meiner Ankunft hier in Ghana habe ich jedoch ständig Probleme mit meinem Magen bzw. Bauch. Darum mache ich mir jedoch nicht allzu große Gedanken, da es meinen beiden Mitbewohnerinnen nicht anders ergeht als mir. Wahrscheinlich bin ich auch selber schuld, da ich auch immer alles auf der Straße essen und ausprobieren muss. Diesen geringen Preis ist mir das Essen hier jedoch wert. Ich liebe es, dass hier alles so scharf ist – toll!

An den Wochenenden gehen wir oft aus und genießen die lockere Atmosphäre in den Ghanaischen Bars, in denen nie jemand still auf seinem Stuhl sitzt, sondern dann, wann er Lust hat aufsteht und einfach tanzt. Die Ghanaische Musik (Hiplife, Highlife und Hiphop) sagt mir sehr zu lässt mich fast vergessen, dass ich in Deutschland eigentlich immer lieber Rockmusik gehört habe. Wenn ich wieder nach Hause komme, bringe ich dann Tonnen von Ghanaischer und Nigerianischer Musik mit. Jeder weiß hier, wie man sich zu bewegen hat, vor allem bei den Männern fällt das besonders auf. Jeder männliche Europäer kann daneben vor Neid erblassen und sich fühlen wie ein steifes Brett. Einfach unglaublich!

Einige Samstage bin ich dann auch mit Marcus (ein Schwedischer Freiwilliger, der für mich wie ein Bruder ist und mich auch irgendwie an Klaus erinnert) in Accra umher gezogen habe mir mit ihm verschiedene Stadtteile angeschaut. In Accra eine Sightseeingtour zu machen ist unglaublich schwer, nahezu unmöglich. Alles ist so breit auseinander gezogen und es gibt hier auch keine öffentlichen Verkehrsmittel (abgesehen von Trotros und Taxis) um alles einfach und ohne Umstände zu erreichen. Ich bin wirklich immer wieder beeindruckt davon, dass es in einer Hauptstadt wie Accra keine S- und U-Bahnen oder Busse gibt. Überall hin nimmt man das Trotro und dahin, wo kein Trotro fährt, das Taxi. Am Anfang dachte ich, dass das System mit den Trotros ein einziges Chaos ist, aber ich beginne da Strukturen zu erkennen, die eigentlich ganz genial sind. Die Trotros werden nicht vom Staat kontrolliert und bekommen hier auch nichts vordiktiert, das regeln die Leute hier ganz privat unter sich. Zwar ist hier oftmals alles etwas chaotisch und verrückt, aber dafür ist man hier so frei. Man kann für sich entscheiden, was man machen möchte und muss nicht immer Rechenschaft ablegen. Immer wieder fällt mir auf, dass Ghana so verschieden zu Deutschland ist.

Seit fast zwei Monaten arbeite ich jetzt schon im OSU Children’s Home bei den Jungs von 6 bis 12 Jahren (eigentlich auch bis 20 Jahre). Die Jungs wachsen mir immer mehr ans Herz. Da die Ferien vorbei sind und die Jungs vormittags zur Schule gehen, arbeite ich fast immer nur nachmittags bis Abends. Manchmal komme ich auch zur Vormittagsschicht und helfe den Tanten (Aunties genannt) dabei, die Jungs vor der Schule anzukleiden (hier trägt man in der Schule nur Schuluniformen) und fertig für die Schule zu machen. Nachdem alle ihre Schüsseln und Näpfe (Besteck habe ich dort noch nie gesehen) geleert haben und sich auf zur Schule machen, muss das Geschirr abgewaschen werden. Für derlei Arbeiten werden dann meistens die übrig gebliebenen Jungs angestellt. Einige Jungs besuchen keine Schule, da sie sehbehindert oder anderweitig körperlich oder geistig eingeschränkt sind. Vor allem bei den beiden Sehbehinderten (übrigens Brüder) frage ich mich oft, ob es nicht besser wäre, sie zur Schule zu schicken. Da sie jedoch eine besondere Schule besuchen müssten und diese extra teuer sind, bleiben sie im Heim und erhalten keine Bildung.

Am Montag bin ich zur Frühschicht gekommen, da die Houseaunty (eine Art Hausmutter) Wäsche waschen wollte und dabei dringend Hilfe benötigte. So wuschen wir also den ganzen Vormittag zu dritt die Wäsche von 40 Jungen mit der Hand. Nicht unbedingt die dankbarste Aufgabe. Da wir zurzeit wenig Wasser haben, wurde nahezu die ganze Wäsche in einem Wasser gewaschen. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob sie nach der Wäsche sauberer war als davor. Waschmaschinen wurden dem Kinderheim zwar auch schon gespendet, aber diese werden nur selten benutzt, da sie zu viel Wasser verbrauchen. Nach der Wäsche bin ich dann noch mit einer anderen sehr netten Freiwilligen aus Kanada und den behinderten Kindern auf den kleinen heimeigenen Spielplatz gegangen. Der Spielplatz ist so unsicher und eigentlich total kinderunfreundlich, in Deutschland würde man den sofort schließen. Neben dem Spielplatz wird übrigens vormittags immer der Müll des Heims verbrannt – sehr „gesundheitsfreundlich“.

In Haus Nummer 1, dem Haus der Jungs wo ich arbeite, gibt es ungefähr 6 verschiedene Tanten. In jeder Schicht, Früh-, Spät- und Nachtschicht, arbeiten 1 bis 2 Tanten und meistens ein Freiwilliger. Ganz klar, dass die Tanten auch unterschiedliche Charaktere haben und demnach auch unterschiedlich mit den Kindern umgehen. Im Allgemeinen kann ich jedoch sagen, dass die Jungs nicht geschlagen werden. Nur manchmal werden sie durch kleine Hiebe zur Ordnung gerufen. Obwohl ich das den Tanten manchmal gar nicht so übel nehmen kann, bei den teilweise schon pubertären und ihre Grenzen austestenden, Jungen.

Wenn ich am Nachmittag arbeite, fange ich immer um zwei Uhr an. Von um zwei bis um drei kommen die Jungs aus den Schulen und müsse sich vor dem Essen umziehen. Ihre Schuluniformen lassen sie dann meistens einfach da liegen, wo sie sie gerade ausgezogen haben und es fällt dann meistens mir zu, alles einzusammeln und zu sortieren. Ihre Malzeiten nehmen sie nicht etwa irgendwo zusammen ein, nein sie rennen mit ihrem Teller bzw. ihrer Schüssel los und setzen sich irgendwo auf die Erde und essen da. Oftmals werde ich dann, ganz nach Ghanaischer Tradition, zum Mitessen eingeladen, was ich jedoch immer wieder dankend ablehne. Nach dem Umziehen sammle ich dann meistens die Wäsche von der Wäscheleine ein und sortiere sie. Oftmals fällt die noch nasse Wäsche auf den sandigen Boden und muss noch einmal gewaschen werden. Als ich nach dem Grund der fehlenden Wäscheklammern fragte meinte die Aunty zu mir, dass die immer wieder von den älteren Jungs geklaut wurden und sie daher keine mehr benutzen würden. Sowieso scheinen die Jungs gerne alles Mögliche an sich zu nehmen und es irgendwo zu verkaufen. Die Aunties haben mir auch erzählt, dass einige der Jungs ihre Schulhefte und –Bücher in der Schule verkaufen. Aber die Zustände in „meinem“ Haus klingen jetzt viel schlimmer als sie es eigentlich sind. Es gibt eben überall immer wieder schwarze Scharfe. Immer wenn ich zur Arbeit komme, wird mein Name über den Hof gerufen und ich sehe immer jemanden, der mir zuwinkt. Auch grüßt dich jeder freundlich und schenkt dir ein Lächeln. Wenn ich um ca. vier bis fünf Uhr fertig bin, die Kleineren zu Baden und wieder anzukleiden, habe ich sozusagen Freizeit und kann mich bis zum Ende meiner Schicht mit den Jungs beschäftigen. Wenn wir einen Ball finden, spielen wir manchmal ein wenig Fußball auf dem betonierten kleinen Fußballfeld auf dem Gelände. Ein weiteres beliebtes Spiel bei den Jungs ist es, mit einfachen Gummis (die man im Haushalt verwendet) ein Ziel- und Weitschießen zu machen. Überall sieht man die Jungs mit den Gummis herum rennen. Besonders gern mögen sie auch Papierflugzeuge. Dann rufen sie immer „Maria, guck!“ und werfen sie in die Luft und strahlen übers ganze Gesicht wenn es gut fliegt. Oftmals kommen sie mit aus Büchern heraus gerissenen Seiten bei mir an und wollen, dass ich ihnen ein Flugzeug baue. Dabei trainiere ich sie gerne ein wenig im Bitte und Danke sagen, denn diese Worte hört man hier nur selten. Spielsachen haben die Kinder im Heim eigentlich auch sehr viele. Das OSU Children’s Home ist Ghanas größtes Waisenheim und erhält sehr viele Spenden. Doch meistens beschäftigen sich die Kinder nicht mit irgendwelchen Spielsachen, sondern mit Kleinteilen von elektrischen Geräten. Immer wieder sieht man sie auf alten Batterien oder kleinen Lämpchen von Lichterketten fröhlich herum beißen. Dass sie sich bei solchen Aktionen noch nichts getan haben, scheint an ein Wunder zu Grenzen.

Abends kommen sie dann, meistens schon viel zu spät, mit ihren Hausaufgaben bei mir an und wollen entweder ernsthaft meine Hilfe oder suchen nur nach jemanden, der ihre Hausaufgaben für sie macht. Zu meiner Enttäuschung handelt sich es fast ausschließlich um Mathehausaufgaben. Zum Hausaufgaben machen können die Kinder des Heimes auch in die kleine Bibliothek (Zimmergröße) gehen. Direkt neben der Bibliothek gibt es übrigens auch einen Fernsehraum, wo gerne und oft Fußball geschaut wird. Doch die Abende sind mir mit Abstand der liebste Teil meiner Arbeitszeit. Da werden die Jungs immer etwas anhänglich und wollen öfter mal umarmt werden. Wenn ich mich verabschiede, kommen viele zu mir und drücken mich noch mal und fragen jeden Abend, ob ich morgen wieder komme und wann ich komme. Das gibt mir das Gefühl, dass sie mich akzeptieren und vielleicht auch mit der Zeit einen Bezug zu mir aufbauen.

Vor einigen Tagen hat unsere kleine Freiwilligen-WG Zuwachs bekommen, Salome aus der Schweiz. Sie ist in mein Zimmer gezogen und so muss ich nun nicht mehr alleine sein und habe abends auch noch jemanden, um mit ihm im Bett zu reden.

Seit knapp zwei Wochen sehe ich nun auch etwas afrikanischer aus. Zusammen mit Anna war ich bei Hairdresser und habe mir die Haare machen lassen. Keine geflochtenen Zöpfe, sondern gedrehte Zöpfe. Insgesamt haben wir dort fast zehn Stunden gesessen, viel zu viel Zeit eigentlich. Nun habe ich Brustlanges Haar und ungefähr die dreifache Menge meines ursprünglichen Haares auf dem Kopf (Kunsthaar). Zu Anfang hat sich das neue Haar wie eine schwere Bastmatte auf meinem Kopf angefühlt, aber nun fühle ich mich damit sehr wohl. Das Verrückte an der Sache ist, dass man das Haar nicht wäscht. Die Frisur trägt man gewöhnlich einen Monat lang! Öfter juckt es einen und man sieht viele Ghanaische Frauen mit einem Zahnstocher ähnlichen Ding in ihren Haaren herum kratzen. Aber ich kann euch versichern, dass mein Haar noch nicht stinkt! Ist mal eine sehr interessante Erfahrung.

Fühlt euch alle gedrückt und gegrüßt!!!

Eure MARIA

Samstag, 5. September 2009

Erster Eintrag





Nun bin ich also in Ghana! Meine dritte Woche fern von zu Hause geht nun auch bald dem Ende zu. Am besten ich fange einfach mal von vorne an, euch von meinen bisherigen Erlebnissen zu erzählen.....


Unser Arrival-Camp fand mehr oder weniger im Busch, ca. 2 Stunden von Accra entfernt statt. Bei der Reise dort hin wurden wir und all unser Gepäck auf zwei Trotros (Kleinbusse, die in Deutschland nie und nimmer durch den TÜV kommen wurden) verteilt. Bei einer scharfen Bremsung hätte uns unser eigenes Gepäck wohl den Hals gebrochen. Aber es war eine schöne Fahrt! Raus aus Accra, wurde die Luft wieder angenehmer und wir bekamen die Afrikanische Wildnis zu sehen. Wollte während der Fahrt mal schauen, wie schnell wir so unterwegs sind, aber der Tacho hat nicht funktioniert. N

aja, ist ja auch nicht das wichtigste Teil am Auto.


Wir hatten dort viele

Twi-Unterrichtsstunden (eine der Ashanti Sprachen hier in Ghana). Die Sprache klingt witzig, ich hoffe, dass ich sie noch mehr lernen werde. Aber es ist eben immer wieder schwer, eine neue Sprache zu lernen. Die Menschen hier sprechen gut Englisch, aber wenn man auf der Straße bzw. dem Markt versucht, mit den Leuten Twi zu sprechen, dann kommt das viel besser an. Man bekommt dann auch eher faire Preise.


Im Camp gab es auch gar nicht weit entfernt einen Brunnen, wo wir dann Wasser für die Toiletten und zum Duschen holen konnten. Wenn man das Wasser für den täglichen Gebrauch selbst heran bringen muss, dann fällt einem auch erst einmal auf, wie viel so eine Toilettenspülung

so verbraucht. Da wartet man dann auch schon mal ein paar Toilettengänge ab, bis man spült. Aber das war absolut ok so. Im Camp haben wir dann auch einen ghanaischen Namen bekommen. Mit einer fas

t tradit

ionellen Zeremonie dazu. Mussten uns nacheinander vorne auf einen kleinen Schemel setzen und ein alkoholisches Getränk trinken. Mein Name ist nun Abena Pokuaa. Abena steht für den Tag an dem ich geboren

bin (Dienstag). Der zweite Name ist frei gewählt von unserem Twi-Lehrer. Das Essen im Camp war auch sehr gut. Scharf aber

total lecker. Die anderen Freiwilligen sind auch alle super nett, man ha

t sich schnell

sehr wohl gefühlt. Während des Camps habe ich auch erfahren, dass ich mein Projekt ein weiteres Mal wechseln werde. Aufgrund von zu vielen Freiwi

lligen und anderen Problemen in dem Projekt in Kumasi, arbeite ich nun in Accra im OSU Childre

n’s Home. Ich wohne hier mit Erika (aus Österreich) und Anna

(aus Deutschland) in einem eigenen Häuschen mit guter Nachbarschaft. Jeder von uns hat ein eigenes Zimmer. Unseren kleinen Hof teilen wir mit einer älteren Frau (Hetti) und deren Söhnen und Neffen. Insgesamt wohnen da 8 Personen. Bin voll froh, dass wir so super liebe und nette Nachbarn haben! Die Jungs (alle über 20) wollen uns immer zeigen, wie man richtig Wäsche wäscht. Man wird es kaum glauben, aber man kann da echt eine Menge falsch machen. Beim ersten Wäsche waschen haben sie uns die ganze Zeit gefilmt und uns ausgelacht. Aber das war nur Spaß. Sie sind immer hilfsbereit und freundlich zu uns.


Man muss wenigstens einmal am Tag duschen hier, die Luft enthält einfach so viel Staub und man wird binnen kürzester Zeit super schmutzig. Auch die Sachen die man trägt werden sehr schnell dreckig. Man muss schon mindestens zweimal die Woche Wäsche waschen (mit der Hand und kaltem Wasser versteht sich natürlich). Meine Finger sind schon etwas wund, muss meine Waschfähigkeiten noch verbessern.

Die meiste Zeit haben wir fließendes Wasser und wenn nicht, haben wir 3 200liter Tonnen mit Wasser im Haus. W

ir leben hier so super. Die beiden Mädels sind ein echter Volltreffer, besser hätte es nicht kommen können. Der einzige Nachteil ist eben nur, dass wir alle drei deutsch sprechen und daher das Englisch etwas auf der Strecke bleibt.


Unser Essen bekommen wir von einer Frau aus der Nachbarschaft (Gladis). Sie kocht mittags und abends für un

s. Morgens gibt es meist warme Brötchen. Haben sogar Pulver (Milo) hier, um uns heiße Schokolade zu machen. Wir leben hier so gut – kann es gar nicht beschreiben!

Gleich um die Ecke gibt es auch noch ein Internetcafe. Der Strand ist nicht weit entfernt von hier. Ich habe jetzt angefangen, jeden Morgen um 6 oder 7 Uhr vor der Arbeit am Strand joggen zu gehen. Mal schauen, wie lange ich das durchhalten werde. So früh am Strand kann man viele interessante Dinge sehen. Schweine, die die endlosen Haufen Müll durchwühlen und Leute, die am Strand auf den Felsen hocken und dort ihr großes Geschäft verrichten. Konnte es beim ersten Mal gar nicht glauben, aber das scheint hier normal zu sein. Hier ist eben alles anders! Um diese Zeit steht die Sonne schon so hoch, wie in Deutschland um ca. 10 oder 11 Uhr. Das Leben fängt hier einfach immer so früh an. Es ist eigentlich auch fast unmöglich, länger zu schlafen, da von draußen immer irgendwelche Geräusche und Stimmen hereindringen. Die Wände hier sind mehr oder weniger nur ein Sichtschutz. Dafür wird es abends dann aber auch sehr schnell und früh dunkel (gegen 6 oder 7 Uhr pm).


Letzten Sonntag war ich zum ersten Mal in der Kirche – 4 Stunden Gottesdienst in Twi. Danach waren wir wie erschlagen. Würden am liebsten nicht wieder so schnell dorthin gehen, aber ich würde so gerne den Kirchenchor mal hören. Die Leute legen hier sehr großen Wert auf den Kirchenbesuch am Sonntag. Auf den Heckfenstern der Trotros und über vielen Läden stehen sehr oft Segenssprüche. Das ist teilweise etwas befremdend. Morgen ist wieder Sonntag, werde wohl doch wieder zur Kirche gehen. Waren letzten Samstag auch bei einer ghanaischen Hochzeit. Interessant, aber sehr langwierig und mit sehr viel Gebete.


Als wir am ersten Tag zur Arbeit kamen, haben wir 3 Stunden auf den Manager gewartet und dann wurde uns irgendwann mitgeteilt, dass wir irgendeinen Brief vom ICYE brauchen. Hatten dann also einen freien Tag mehr. Am zweiten Tag war es dann ähnlich wie am ersten, bis uns dann irgendwann jemand das Areal gezeigt hat. Wir haben dann also erst am Mittwoch richtig angefangen zu arbeiten. Zu erst habe ich mit Anna bei den Kindern von 3-6 Jahren gearbeitet. Aber da habe ich es nicht sehr lange ausgehalten. Die Kinder leben nicht wie in einer Gruppe, sondern sind immer auf den Einzelkampf bedacht. Viel Gehaue, Geschreie und Getöse. Bin dann schließlich rüber zu den Babys, wo Erika auch arbeitet. Da wurde mir dann auch gleich ein Napf mit Brei und Löffel gereicht und mir 6 Kinder vor die Füße gesetzt, die ich alle gleichzeitig füttern sollte. Meine Hose konnte ich danach auf jeden Fall erst einmal waschen. So in der Art ging das dann weiter und für mich stand fest – ich muss hier raus! Am Donnerstag bin ich dann schließlich rüber in Haus drei zu den Jungs von 6-10 Jahre. Und da werde ich nun auch voraussichtlich bleiben. Die Jungs sind so süß! Sind auch noch teilweise sehr liebebedürftig. Ich beschäftige mich dort mit den Jungs (spielen, reden, in die Bibliothek gehen etc.). Zurzeit haben sie noch Schulferien, mal schauen wie das ist, wenn sie dann vormittags in der Schule sind. Werde mal versuchen, mit ihnen zu zeichnen oder Fußball zu spielen. Ich denke, dass man mit ihnen noch so einiges machen kann.


Mittwoch waren wir bei einer Raggae-Night. Mir persönlich war es da etwas zu ruhig und langsam, aber alles in allem war es ein sehr schöner Abend. Habe sogar mit einem Ghanaer getanzt (die haben Moves drauf!). Möchte auf jeden Fall noch viel öfter tanzen gehen und auch tanzen lernen (so wie die Afrikaner).

Gestern waren wir auf einem der großen Märkte. Zum Glück hatten wir einen Freund mit (habe ihn auf der Straße kennen gelernt), der uns da heil und sicher durch gebracht hat. Ich habe dort meinen ersten Stoff gekauft. Werde ihn zu eine der zahlreichen Schneiderinnen bringen und mir eine Tasche und einen Rock schneidern lassen. Werde noch viel Stoff kaufen und mir etwas schneidern lassen ;) Der Markt war so riesig und verwinkelt und dreckig und eng und so viele Männer, die einen anstarren und anquatschen…teilweise unheimlich. Aber eigentlich sind die Händler sehr nett. Man wird immer in Gespräche verwickelt. Die häufigsten Fragen sind dann: Wie heißt du? Kann ich deine Nummer haben? Bist du verheiratet? Kannst du tanzen?. Es ist manchmal ein so seltsames Gefühl, wenn einen alle so intensiv anstarren und beobachten, nur weil mein weiß ist. Auf der Straße rufen die Kinder einem dann auch immer „Obroni“ (Weißer) hinterher. Wir rufen dann manchmal „Obibini“ (Schwarzer) zurück. Dann sind sie immer ganz erstaunt und lachen. Das ist hier der Weg, wie man Leute trifft. Man begegnet sich auf der Straße, redet mit nahezu jedem und ist einfach nur voll gut drauf. Da fällt mir ein, dass ich noch nicht sehr viel über die Trotros geschrieben habe. Das ist hier das Hauptverkehrsmittel. Es gibt hier keine Linienbusse in der Stadt oder so etwas wie s-Bahnen. Man fährt entweder teuer Taxi oder Trotro. Diese kleinen Busse sind so witzig. Sehr verrostet (die Türen werden während der Fahrt oft fest gehalten) und bis zu 20 Leute in einem Kleinbus. Beim Preis muss man entweder Bescheid wissen oder raten. Sie versuchen auch oft, einem mehr abzunehmen, als eigentlich üblich. Man muss hier oft und viel handeln, aber das macht eben das Leben hier aus und meistens macht es auch einfach nur Spaß.

Morgen wollen wir dann ins Stadium gehen und uns das Qualifikationsspiel Ghana gegen Sudan anschauen. Das wird ein Spaß! Wir haben hier immer so wahnsinnig viel zu tun. Es gibt hier so vieles zu entdecken und zu erleben. Im Moment bin ich einfach nur so unglaublich dankbar und glücklich hier sein zu dürfen. Sicherlich werden noch genügend Niederlagen kommen, doch momentan ist alles so perfekt hier. Also macht euch keine Sorgen um mich, mir geht es mehr als gut! Jeden Tag merke ich mehr und mehr, dass es das Richtige war, hier her zu kommen.