Die Zeit verfliegt und vor lauter Freude und Dankbarkeit über mein Leben hier in Ghana habe ich bisher nur wenig von mir Verlauten lassen. Entschuldigt bitte! Nicht, dass es nichts zu berichten gäbe – ganz im Gegenteil! Nur vergesse ich schnell mal, dass ihr euch zu Hause sicherlich auch einige Gedanken macht und gerne wissen würdet, wie es mir hier in Ghana ergeht.
Mir geht es noch immer sehr gut und ich konnte noch immer nichts entdecken, was mich daran hindern würde, Ghana zu lieben. Mein Leben hier in Accra, der Hauptstadt, ist so schön, wie es besser gar nicht sein könnte. Gott hat mich mit sehr viel Glück gesegnet!
In meiner Anfangszeit hier Accra habe ich Philip kennen gelernt, der während seiner Schulferien hier in Accra lebt, Armbänder knüpft und sie den Touristen auf der Straße verkauft. Das Geld spart er um seine Schulgebühren zu bezahlen. Er wohnt in Bonwire (nahe bei Kumasi) und ist eben nur in seinen Ferien hier in Accra. Er hat uns viel hier in Accra gezeigt und sich als wirklich guter Freund bewiesen. So kam es dann, dass ich vor zwei Wochen meinen ersten Wochenendtrip nach Bonwire unternommen habe um ihn dort zu besuchen.
Am Freitag bin ich früh aufgestanden und habe mich zusammen mit einem unserer lieben Nachbarn, der mich zur Busstation gebracht hat, aufgemacht. Da der erste Bus nach Kumasi gerade voll geworden war, musste ich fast 2 Stunden darauf warten, dass der zweite Bus voll wird und wir los fahren können. Die Sitze im Bus waren dann auch nicht ganz so komfortabel, wie sie bei einer knapp 5-stündigen Fahrt hätten sein können und die Klimaanlage zwang mich dazu, meinen Pulli anzuziehen. Nach ca. einer Stunde Fahrt qualmte der Bus dann heftig und wir mussten auf einer Art Autobahn im Nirgendwo, notgedrungener Weise Halt machen und den zunehmend verräucherten Bus verlassen. Von da an hieß es dann erst einmal eine gute Stunde auf einen Ersatzbus zu warten. In Deutschland wäre ich wahrscheinlich recht genervt davon gewesen, doch hier fanden sich schnell nette Leute, mit denen man sich unterhalten und die Langeweile vertreiben konnte. Auf der Weiterfahrt schlief ich dann irgendwann ein und erwachte von dem gegen die Scheiben peitschenden Regen auf einer Straße umgeben von grüner Buschlandschaft. Die Vegetation und das Klima in und um Kumasi herum sind ganz unterschiedlich zu dem in Accra. Angekommen in einem Vorörtchen von Kumasi musste ich auch nicht lange auf Philip warten. Gemeinsam fuhren wir dann nach Bonwire, seinem Heimatdorf. Dort bekam ich auch gleich eine kleine Besichtigungstour und erfuhr, dass in diesem Dorf der überall in Ghana bekannte Kente-Stoff gewebt wird. Fast jeder hat in dem Dorf einen Webstuhl zu Hause. Es war sehr interessant zu sehen, wie überwiegend die Männer, die farbenfrohen Stoffe webten und die unterschiedlichsten Designs kreierten. Jedes der Designs hat seinen eigenen Namen und jeder der ein neues Design entwirft, kann ihm einen neuen Namen geben. Abends durfte ich mich dann auch mal an dem Webstuhl von Philips Onkel versuchen und einen ganz kleinen Streifen Stoff weben.
Philips Familie war sehr gastfreundlich und nett zu mir. Als sie merkten, dass ich dabei bin Twi zu lernen, haben sie natürlich kein einziges Wort Englisch mehr mit mir gesprochen. Überhaupt habe ich in dem Dorf kaum jemanden Englisch sprechen gehört. Überall wo ich hin kam hat man Twi gesprochen, mich angeschaut und gelacht. Ab und zu konnte ich dann mal das Wort Obroni (Weißer) hören und wusste natürlich, dass es in den Gesprächen um mich ging. Und auch dort konnte ich wieder einmal feststellen, dass Ghana überwiegend von jungen Menschen zwischen 10 und 30 Jahren bevölkert zu sein scheint. Wieder einmal wollte jeder (vor allem die Kinder) dem Obroni „Hallo“ sagen und mit mir reden. So viele Leute wollen einen „weißen Freund“ haben. Manchmal fällt es schwer, die Beweggründe und die Denkweisen der Leute hier zu verstehen.
Es war sehr interessant und angenehm, mal aus der Großstadt heraus zukommen und für ein Wochenende das Dorfleben zu leben. Gekocht wurde über offenem Feuer und abends gab es, abgesehen von den Straßenlaternen auf der Straße, keine Elektrizität. Das traditionelle Ghanaische Essen, mit welchem ich bewirtet wurde, war überaus lecker und natürlich habe ich das ganze Wochenende nur mit den Fingern gegessen. Bei meiner kleinen Reise nach Bonwire habe ich auch eine kleine Spezialität kennen gelernt – gekochtes Ei mit einer Chilisauce dazu. So simpel und doch mein absoluter Liebling momentan. Sowieso kann man hier überall auf der Straße so viele Kleine Leckerbissen kaufen. Eigentlich soll man ja vorsichtig mit dem Essen sein, aber angesichts all der Köstlichkeiten werde ich immer wieder schwach und probiere nahezu alles was sich mir bietet. Das Ghanaische Essen ist so gut!!! Jedoch vermisse ich die Deutsche Küche sehr. Oft reden wir über das Essen und was wir alles essen werden, sobald wir wieder in unserem Heimatland ankommen werden. Besonders Schokolade (Ritter Sport…), Marmelade und Nutella vermisse ich. Ein kleines Glas Nutella kostet hier umgerechnet 4 Euro. Man kann hier Ghanaische Schokolade kaufen, die schmeckt ganz anders als unsere und man lernt sie erst mit der Zeit lieben, aber die ist auch sehr gut. Jedoch immer nur die Gleiche. Hier kann man eben Leckerbissen wie gefrorenen Joghurt in kleinen Plastiktüten verschweißt oder Muffins und Quarkbällchen ähnliche Dinge kaufen. Essen ist hier wirklich sehr günstig, so wie das meiste Andere eigentlich auch. Doch nun von meinem kleinen Essensexkurs zurück nach Bonwire. Am Samstag waren wir dann in der Früh ein wenig joggen gewesen. Die hügligen und von weiten Buschlandschaften umgebenen Straßen rauf und runter. Fantastische Natur überall! Am späten Vormittag haben wir uns dann auf nach Kumasi gemacht und Philip hat mir den Palast des Ashanti Königs gezeigt. Bei meinem nächsten Besuch in Kumasi muss ich mir unbedingt mehr von der Stadt angucken.
Wie so oft haben mich viele Leute dazu eingeladen, am Sonntag mit ihnen ihre Kirche zu besuchen. Doch ich kann da, glaube ich, kein zweites Mal mehr hin gehen. Die Ghanaische Kirche ist in erste Linie einfach nur VIEL zu laut. Man hat eher das Gefühl in einer Diskothek zu sein, als an einem Ort der Besinnung. Und bis zu 4 Stunden Gottesdienst ist einfach zu viel für mich, gerade wenn die Messe in Twi abgehalten wird. Die einzige Kirche, die ich vielleicht noch mal besuchen würde hier in Ghana, ist die Methodisten Kirche. Die hörte sich für mich am interessantesten an. Ich fühle mich oftmals schlecht, da ich Sonntags nicht in die Kirche gehe, so wie eigentlich fast jeder Ghanaer hier, aber der Kirchengang hier in Ghana ist für mich wirklich eine Qual. Eigentlich hätte ich gedacht, dass die Ghanaische Kirche viel abwechslungsreicher und interessanter wäre als in Deutschland, aber mir erscheint der Glaube hier oftmals zu fanatisch. Da bleibe ich lieber mit Gott allein in meinen Gedanken.
Das Wochenende bei Philip war auf jeden Fall eine schöne Erfahrung und hat meinen Twi-Lernprozess ein wenig beschleunigt. Zurück gefahren bin ich dann Montag Früh um halb drei mit einem der klapprigen Trotros. Nicht unbedingt die sicherste Variante, aber günstiger (noch günstiger als so schon). So saß ich nun bei einer diesmal sehr flotten Fahrt von nur 4 Stunden Länge eingequetscht zwischen anderen Mitleidenden, auf einem Sitz ohne Möglichkeit den vor Müdigkeit schweren Kopf irgendwo anzulehnen oder die Beine auszustrecken auf der hintersten Bank des Trotros. Ich war froh, als ich um halb Sieben in der Frühe wieder sicher in unserem Häuschen angekommen war.
Ein Wochenende war ich auch sehr krank gewesen und quälte mich mit Erbrechen, Kopfweh und Ähnlichem herum. Ich entschied mich dafür, dass ich nicht ins Krankenhaus gehen und mich auf Malaria testen lassen würde. Nach einigen Tagen war das dann auch wieder ausgestanden und ich wieder quick fidel. Seit meiner Ankunft hier in Ghana habe ich jedoch ständig Probleme mit meinem Magen bzw. Bauch. Darum mache ich mir jedoch nicht allzu große Gedanken, da es meinen beiden Mitbewohnerinnen nicht anders ergeht als mir. Wahrscheinlich bin ich auch selber schuld, da ich auch immer alles auf der Straße essen und ausprobieren muss. Diesen geringen Preis ist mir das Essen hier jedoch wert. Ich liebe es, dass hier alles so scharf ist – toll!
An den Wochenenden gehen wir oft aus und genießen die lockere Atmosphäre in den Ghanaischen Bars, in denen nie jemand still auf seinem Stuhl sitzt, sondern dann, wann er Lust hat aufsteht und einfach tanzt. Die Ghanaische Musik (Hiplife, Highlife und Hiphop) sagt mir sehr zu lässt mich fast vergessen, dass ich in Deutschland eigentlich immer lieber Rockmusik gehört habe. Wenn ich wieder nach Hause komme, bringe ich dann Tonnen von Ghanaischer und Nigerianischer Musik mit. Jeder weiß hier, wie man sich zu bewegen hat, vor allem bei den Männern fällt das besonders auf. Jeder männliche Europäer kann daneben vor Neid erblassen und sich fühlen wie ein steifes Brett. Einfach unglaublich!
Einige Samstage bin ich dann auch mit Marcus (ein Schwedischer Freiwilliger, der für mich wie ein Bruder ist und mich auch irgendwie an Klaus erinnert) in Accra umher gezogen habe mir mit ihm verschiedene Stadtteile angeschaut. In Accra eine Sightseeingtour zu machen ist unglaublich schwer, nahezu unmöglich. Alles ist so breit auseinander gezogen und es gibt hier auch keine öffentlichen Verkehrsmittel (abgesehen von Trotros und Taxis) um alles einfach und ohne Umstände zu erreichen. Ich bin wirklich immer wieder beeindruckt davon, dass es in einer Hauptstadt wie Accra keine S- und U-Bahnen oder Busse gibt. Überall hin nimmt man das Trotro und dahin, wo kein Trotro fährt, das Taxi. Am Anfang dachte ich, dass das System mit den Trotros ein einziges Chaos ist, aber ich beginne da Strukturen zu erkennen, die eigentlich ganz genial sind. Die Trotros werden nicht vom Staat kontrolliert und bekommen hier auch nichts vordiktiert, das regeln die Leute hier ganz privat unter sich. Zwar ist hier oftmals alles etwas chaotisch und verrückt, aber dafür ist man hier so frei. Man kann für sich entscheiden, was man machen möchte und muss nicht immer Rechenschaft ablegen. Immer wieder fällt mir auf, dass Ghana so verschieden zu Deutschland ist.
Seit fast zwei Monaten arbeite ich jetzt schon im OSU Children’s Home bei den Jungs von 6 bis 12 Jahren (eigentlich auch bis 20 Jahre). Die Jungs wachsen mir immer mehr ans Herz. Da die Ferien vorbei sind und die Jungs vormittags zur Schule gehen, arbeite ich fast immer nur nachmittags bis Abends. Manchmal komme ich auch zur Vormittagsschicht und helfe den Tanten (Aunties genannt) dabei, die Jungs vor der Schule anzukleiden (hier trägt man in der Schule nur Schuluniformen) und fertig für die Schule zu machen. Nachdem alle ihre Schüsseln und Näpfe (Besteck habe ich dort noch nie gesehen) geleert haben und sich auf zur Schule machen, muss das Geschirr abgewaschen werden. Für derlei Arbeiten werden dann meistens die übrig gebliebenen Jungs angestellt. Einige Jungs besuchen keine Schule, da sie sehbehindert oder anderweitig körperlich oder geistig eingeschränkt sind. Vor allem bei den beiden Sehbehinderten (übrigens Brüder) frage ich mich oft, ob es nicht besser wäre, sie zur Schule zu schicken. Da sie jedoch eine besondere Schule besuchen müssten und diese extra teuer sind, bleiben sie im Heim und erhalten keine Bildung.
Am Montag bin ich zur Frühschicht gekommen, da die Houseaunty (eine Art Hausmutter) Wäsche waschen wollte und dabei dringend Hilfe benötigte. So wuschen wir also den ganzen Vormittag zu dritt die Wäsche von 40 Jungen mit der Hand. Nicht unbedingt die dankbarste Aufgabe. Da wir zurzeit wenig Wasser haben, wurde nahezu die ganze Wäsche in einem Wasser gewaschen. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob sie nach der Wäsche sauberer war als davor. Waschmaschinen wurden dem Kinderheim zwar auch schon gespendet, aber diese werden nur selten benutzt, da sie zu viel Wasser verbrauchen. Nach der Wäsche bin ich dann noch mit einer anderen sehr netten Freiwilligen aus Kanada und den behinderten Kindern auf den kleinen heimeigenen Spielplatz gegangen. Der Spielplatz ist so unsicher und eigentlich total kinderunfreundlich, in Deutschland würde man den sofort schließen. Neben dem Spielplatz wird übrigens vormittags immer der Müll des Heims verbrannt – sehr „gesundheitsfreundlich“.
In Haus Nummer 1, dem Haus der Jungs wo ich arbeite, gibt es ungefähr 6 verschiedene Tanten. In jeder Schicht, Früh-, Spät- und Nachtschicht, arbeiten 1 bis 2 Tanten und meistens ein Freiwilliger. Ganz klar, dass die Tanten auch unterschiedliche Charaktere haben und demnach auch unterschiedlich mit den Kindern umgehen. Im Allgemeinen kann ich jedoch sagen, dass die Jungs nicht geschlagen werden. Nur manchmal werden sie durch kleine Hiebe zur Ordnung gerufen. Obwohl ich das den Tanten manchmal gar nicht so übel nehmen kann, bei den teilweise schon pubertären und ihre Grenzen austestenden, Jungen.
Wenn ich am Nachmittag arbeite, fange ich immer um zwei Uhr an. Von um zwei bis um drei kommen die Jungs aus den Schulen und müsse sich vor dem Essen umziehen. Ihre Schuluniformen lassen sie dann meistens einfach da liegen, wo sie sie gerade ausgezogen haben und es fällt dann meistens mir zu, alles einzusammeln und zu sortieren. Ihre Malzeiten nehmen sie nicht etwa irgendwo zusammen ein, nein sie rennen mit ihrem Teller bzw. ihrer Schüssel los und setzen sich irgendwo auf die Erde und essen da. Oftmals werde ich dann, ganz nach Ghanaischer Tradition, zum Mitessen eingeladen, was ich jedoch immer wieder dankend ablehne. Nach dem Umziehen sammle ich dann meistens die Wäsche von der Wäscheleine ein und sortiere sie. Oftmals fällt die noch nasse Wäsche auf den sandigen Boden und muss noch einmal gewaschen werden. Als ich nach dem Grund der fehlenden Wäscheklammern fragte meinte die Aunty zu mir, dass die immer wieder von den älteren Jungs geklaut wurden und sie daher keine mehr benutzen würden. Sowieso scheinen die Jungs gerne alles Mögliche an sich zu nehmen und es irgendwo zu verkaufen. Die Aunties haben mir auch erzählt, dass einige der Jungs ihre Schulhefte und –Bücher in der Schule verkaufen. Aber die Zustände in „meinem“ Haus klingen jetzt viel schlimmer als sie es eigentlich sind. Es gibt eben überall immer wieder schwarze Scharfe. Immer wenn ich zur Arbeit komme, wird mein Name über den Hof gerufen und ich sehe immer jemanden, der mir zuwinkt. Auch grüßt dich jeder freundlich und schenkt dir ein Lächeln. Wenn ich um ca. vier bis fünf Uhr fertig bin, die Kleineren zu Baden und wieder anzukleiden, habe ich sozusagen Freizeit und kann mich bis zum Ende meiner Schicht mit den Jungs beschäftigen. Wenn wir einen Ball finden, spielen wir manchmal ein wenig Fußball auf dem betonierten kleinen Fußballfeld auf dem Gelände. Ein weiteres beliebtes Spiel bei den Jungs ist es, mit einfachen Gummis (die man im Haushalt verwendet) ein Ziel- und Weitschießen zu machen. Überall sieht man die Jungs mit den Gummis herum rennen. Besonders gern mögen sie auch Papierflugzeuge. Dann rufen sie immer „Maria, guck!“ und werfen sie in die Luft und strahlen übers ganze Gesicht wenn es gut fliegt. Oftmals kommen sie mit aus Büchern heraus gerissenen Seiten bei mir an und wollen, dass ich ihnen ein Flugzeug baue. Dabei trainiere ich sie gerne ein wenig im Bitte und Danke sagen, denn diese Worte hört man hier nur selten. Spielsachen haben die Kinder im Heim eigentlich auch sehr viele. Das OSU Children’s Home ist Ghanas größtes Waisenheim und erhält sehr viele Spenden. Doch meistens beschäftigen sich die Kinder nicht mit irgendwelchen Spielsachen, sondern mit Kleinteilen von elektrischen Geräten. Immer wieder sieht man sie auf alten Batterien oder kleinen Lämpchen von Lichterketten fröhlich herum beißen. Dass sie sich bei solchen Aktionen noch nichts getan haben, scheint an ein Wunder zu Grenzen.
Abends kommen sie dann, meistens schon viel zu spät, mit ihren Hausaufgaben bei mir an und wollen entweder ernsthaft meine Hilfe oder suchen nur nach jemanden, der ihre Hausaufgaben für sie macht. Zu meiner Enttäuschung handelt sich es fast ausschließlich um Mathehausaufgaben. Zum Hausaufgaben machen können die Kinder des Heimes auch in die kleine Bibliothek (Zimmergröße) gehen. Direkt neben der Bibliothek gibt es übrigens auch einen Fernsehraum, wo gerne und oft Fußball geschaut wird. Doch die Abende sind mir mit Abstand der liebste Teil meiner Arbeitszeit. Da werden die Jungs immer etwas anhänglich und wollen öfter mal umarmt werden. Wenn ich mich verabschiede, kommen viele zu mir und drücken mich noch mal und fragen jeden Abend, ob ich morgen wieder komme und wann ich komme. Das gibt mir das Gefühl, dass sie mich akzeptieren und vielleicht auch mit der Zeit einen Bezug zu mir aufbauen.
Vor einigen Tagen hat unsere kleine Freiwilligen-WG Zuwachs bekommen, Salome aus der Schweiz. Sie ist in mein Zimmer gezogen und so muss ich nun nicht mehr alleine sein und habe abends auch noch jemanden, um mit ihm im Bett zu reden.
Seit knapp zwei Wochen sehe ich nun auch etwas afrikanischer aus. Zusammen mit Anna war ich bei Hairdresser und habe mir die Haare machen lassen. Keine geflochtenen Zöpfe, sondern gedrehte Zöpfe. Insgesamt haben wir dort fast zehn Stunden gesessen, viel zu viel Zeit eigentlich. Nun habe ich Brustlanges Haar und ungefähr die dreifache Menge meines ursprünglichen Haares auf dem Kopf (Kunsthaar). Zu Anfang hat sich das neue Haar wie eine schwere Bastmatte auf meinem Kopf angefühlt, aber nun fühle ich mich damit sehr wohl. Das Verrückte an der Sache ist, dass man das Haar nicht wäscht. Die Frisur trägt man gewöhnlich einen Monat lang! Öfter juckt es einen und man sieht viele Ghanaische Frauen mit einem Zahnstocher ähnlichen Ding in ihren Haaren herum kratzen. Aber ich kann euch versichern, dass mein Haar noch nicht stinkt! Ist mal eine sehr interessante Erfahrung.
Fühlt euch alle gedrückt und gegrüßt!!!
Eure MARIA
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